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Arbeiten im Homeoffice: Ist das wirklich zielführend?

Bedingt durch die Pandemie und nicht zuletzt durch die am 23. April von der Bundesregierung eingeführten Homeoffice-Pflicht, hat sich das tägliche Arbeitsleben stark verändert. Wie in den Nachrichten zu lesen ist, zögern viele Dax-Unternehmen die Rückkehr ihrer Mitarbeitenden hinaus – trotz Ende der Homeoffice-Pflicht zum 30. Juni. In meinen Augen nachvollziehbar.

Wir bei neusta inspire haben alle Mitarbeiter:innen direkt zu Beginn der Pandemie gebeten, von zu Hause aus zu arbeiten. Die meisten haben sich daran gehalten und wir waren nur selten und nur zu sehr wichtigen Anlässen im Büro. Seit der Verfügbarkeit von Schnelltests und Testzentren natürlich nur getestet – und mit einer klaren Beschränkung, was die Anzahl der Teilnehmer angeht.

Der Wunsch, den Arbeitstag mit den Kollegen gemeinsam im Büro zu verbringen, wächst jeden Tag und wir freuen uns alle darauf, wieder gemeinsam arbeiten zu können oder überhaupt gemeinsame Zeit zu verbringen.

Mein Fazit nach 1,5 Jahren Homeoffice

Wer selbständig arbeiten kann und wenn die Rahmenbedingungen stimmen, dann ist das Homeoffice eine sehr gute Ergänzung zum täglichen Arbeitsleben. Der Gewinn an Lebenszeit und Flexibilität wägt in meinen Augen die Nachteile auf.

Mir und den meisten meiner Kolleg:innen fehlt der direkte Austausch miteinander. Wir haben zwar regelmäßige Videocalls, jedoch ersetzen diese nicht die tägliche Kommunikation über den Schreibtisch hinweg. Wer bei seiner Arbeit auf Probleme stößt, kann nicht einfach den Sitznachbarn fragen, sondern müsste ihn extra anrufen. Aufgrund der größeren Hemmschwelle geht natürlich Zeit verloren, weil man zunächst versucht, das Problem selbst zu lösen. Weiterhin ist mir aufgefallen, dass das Zusammengehörigkeitsgefühl darunter leidet. In Form von virtuellen Pubquizzes haben wir uns zwar auch privat zu Gesicht bekommen – und das hat allen Beteiligten auch sehr viel Spaß gemacht – aber leider ersetzt das nicht den persönlichen Kontakt.

Vom Homeoffice aus zu arbeiten, hat trotzdem auch Vorteile. Ich glaube, am angenehmsten für alle ist der Wegfall des Arbeitsweges. Man gewinnt deutlich mehr Lebenszeit dazu und hat im Endeffekt mehr Zeit für sich und die Familie. Ein weiterer, für mich wichtiger Punkt: Wenn einem einmal der Kopf raucht und man an irgendeiner Stelle nicht weiterkommt, kann man die Arbeit für einige Zeit liegen lassen und Einkaufen gehen, saubermachen oder sich einfach mal für eine halbe Stunde aufs Sofa legen und anderen Gedanken nachhängen. Ich persönlich empfinde die Arbeit zu Hause als sehr angenehm. Dazu muss ich auch sagen, dass ich mich in einer sehr komfortablen Situation befinde: Ich wohne in einem genügend großen Haus mit eigenem Arbeitszimmer und ich habe keine kleinen Kinder, die unterrichtet oder bespaßt werden müssen.

Ich möchte an dieser Stelle eine Sache hervorheben, die uns im Management selbst sehr überrascht hat: Wir haben Ende 2019 beschlossen, einige Apps zu entwickeln. Und das Projekt wurde diese Woche mit dem letzten Sprint erfolgreich abgeschlossen.

Nach der Planungsphase haben wir im Februar 2020 ein internationales Projektteam zusammengestellt. Dieses Team setzte sich aus zwei fest angestellten Mitarbeitern von neusta inspire und zwei Freelancern zusammen. Das Besondere daran war, dass die Freelancer aus Polen und Rumänien kamen, die Mitarbeiter von inspire aus Bremen und Nürnberg. Gerade als wir das Projekt starteten, begann der erste Lockdown – mit allen Konsequenzen, was persönliche Treffen und Reisetätigkeiten anging. Und obwohl sich dieses Team noch nie im wirklichen Leben gesehen und getroffen hat, haben sie alle super zusammengearbeitet, tolle Ergebnisse erzielt und, wie oben bereits erwähnt, das Projekt mit allen Apps im Zeitplan erfolgreich abgeschlossen.

Wir hoffen, dass wir – obwohl das Projekt beendet ist – das Team inklusive der Freelancer noch einmal zusammenbekommen um wenigstens einmal gemeinsam essen und feiern zu können.

Ich persönlich kann die Frage, ob Homeoffice zielführend ist, nur mit „Ja“ beantworten. Wer selbständig arbeiten kann und wenn die Rahmenbedingungen stimmen, dann ist das Homeoffice eine sehr gute Ergänzung zum täglichen Arbeitsleben. Der Gewinn an Lebenszeit und Flexibilität wägt in meinen Augen die Nachteile auf. Nur sollte jeder so ehrlich zu sich selbst sein, ob er oder sie dafür geschaffen ist.

Was ist der Ausblick?

Alle unsere Mitarbeitenden haben mindestens ihre erste, die meisten ihre zweite Coronaschutzimpfung bekommen. Das heißt, dass wir demnächst, spätestens nach der Urlaubszeit, wieder vermehrt im Office sein werden. Wir haben aber bereits nach dem ersten Lockdown beschlossen, dass wir – solange die Projekte es erlauben – die jetzige Regelung beibehalten werden und die, die es möchten, zwei oder drei Tage in der Woche im Homeoffice bleiben können.

Martin Fredrich

Martin Fredrich

Martin ist Co-Founder und Senior Consultant bei neusta inspire.